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Der Brückenheilige Nepomuk

Alois Mayer, Daun-Pützborn

Der 16. Mai 1393, der Abend vor Christi Himmelfahrt, war dunkel. Nur spärlicher Mondschein spiegelte sich im schwarzen Wasser der Moldau, die rauschend die zahlreichen steinernen Pfeiler der mächtigen Karlsbrücke umspülte, die die Kleinseite Prags mit der Altstadt verbindet.

Ein geheimnisvoller Zug von der Prager Burg herabkommend, näherte sich dieser Brücke: Soldaten und Schergen, Hofbeamte und Knechte. Leise klickerten Hellebarden, klirrten Schwerter, rauschten wollene Talare und samtene Überhänge. In der Mitte des Zuges ein großer Mann, die Hände gefesselt. Priesterliche Gewänder bekleideten ihn, der, vor Schmerzen gebeugt, sich nur mühsam dahinschleppte. Sein durch Folter zerschundenes und verbranntes Gesicht wirkte dennoch würdig und ehrfurchtgebietend. In der Mitte der Brücke hielt der Zug still. Der Hauptmann erteilte leise Befehle. Starke Arme ergriffen den gefangenen Priester, banden seine Füße, zerrten ihn zum steinernen Brückenrand, hoben ihn hoch und warfen ihn in die wild schäumende Moldau, deren Fluten nunmehr, den gequälten Körper für immer von allen Schmerzen erlösend, mit sich fortrissen. Der Hauptmann gab das Kommando zum Abmarsch. Er hatte nur seine Pflicht getan, getreu dem Befehl König Wenzels: »Man entferne Johannes Nepomuk aus meinen Augen und werfe ihn in der Dunkelheit, um dem Volk seine Hinrichtung zu verbergen, in den Fluss!«

Die Goldene Stadt Prag, die in den kommenden Jahrhunderten noch häufiger durch Brücken - und Fensterstürze von sich reden machte, hatte sich an jenem Maitag des Jahres 1393 eines Mannes entledigt, nicht ahnend, dass diesem Märtyrer Jahrhunderte später die Ehre eines Nationalheiligen von Böhmen und Stadtpatrons von Prag und Salzburg widerfahren würde. Johannes wurde um 1350 in der kleinen Ortschaft Pomuk in der Nähe von Pilsen (Böhmen) geboren. Diese Ortsherkunft bestimmte seinen Nachnamen: Johannes ne (= von) Pomuk. Sein Vater, ein in Königsdiensten stehender Richter, ließ seinem Sohn eine gediegene Ausbildung in einem Zisterzienserkloster zukommen, die es ihm ermöglichte, anschließend an der Prager Universität zu studieren; sie war erst wenige Jahre zuvor (1348) durch Kaiser Karl IV. gegründet worden. Dort erwarb Johannes Nepomuk die Doktorwürde im Fach Theologie und später in Padua im kanonischen Recht. Zehn Jahre lang war er dann als Notar an der erzbischöflichen Gerichtskanzlei in Prag tätig. Dem hochintelligenten und überdurchschnittlich gelehrten Mann stand eine große berufliche Zukunft mit höchsten kirchlichen und politischen Ämtern bevor. Er aber verfolgte eisern das Ziel, Geistlicher zu werden. 1380 empfing er die Priesterweihe und wurde Pfarrer an der Galluskirche in der Prager Neustadt, wo er sich besonders um deutsche Kaufleute kümmerte. Johannes nahm in den folgenden Jahren weitere einflussreiche Kirchenämter wahr, und im Jahre 1389 wurde er von Erzbischof Johann von Jenzenstein (Jenstein) zum Generalvikar (= Stellvertreter des Bischofs) der Erzdiözese Prag ernannt. In und aus dieser Berufung erwuchsen ihm als kirchlichem Würdenträger größte Schwierigkeiten mit dem machtbessenen König Wenzel IV., die letztlich zu seinem Märtyrertod führten.

Johannes Nepomuk - das Original an der Karlsbrücke in Prag

Der Brückenheilige in St. Thomas, der Restaurierung bedürftig

Auf der k/einen Brücke in Kronenburgerhütte steht diese Figur

Wenzel, Sohn Kaiser Karls IV., war 1376 zum deutschen König gewählt worden. Erbitterte Auseinandersetzungen um kirchliche Rechte zwischen ihm und Erzbischof Jenzenstein prägten die Folgezeit, in die Johannes Nepomuk, der auf Seiten seines Erzbischofs stand, mit hineingezogen wurde. Es war ein regelrechter Kleinkrieg, bei dem es materielle Schäden, Bannflüche, Einziehungen von Kirchengütern, Beschwerden in Rom, ja Hinrichtungen gab.

Vier Jahre später, am 20. März 1393, wurde Generalvikar Johannes, Chefjurist des Erzbischofs, zusammen mit einem Offizial und dem Probst von Meißen gefangen genommen. Äußere Anlässe waren vermutlich die von Nepomuk gegen den Willen des Königs durchgeführte Ernennung und Bestätigung eines neuen Abtes von Kladrub, sowie sein juristisches Kontern gegen den Plan des Königs, in Westböhmen ein neues Bistum zu schaffen, das die Minderung der Einkünfte der Prager Erzdiözese zur Folge gehabt hätte.

Wenzel ließ die drei grausam foltern und mißhandeln. Der König soll in seinem rasenden Zorn selber zu Pechfackeln gegriffen haben, mit denen er den Körper von Johannes Nepomuk verbrannte. Am 16.05.1393 wurde Nepomuk durch die Straßen Prags gezerrt und mit gefesselten Händen und Füßen von der Karlsbrücke in die Moldau gestoßen. Die beiden anderen wurden höhnisch entlassen, nachdem sie eine schriftliche Versicherung abgegeben hatten, das. ihnen nichts Böses zugefügt worden wäre. Der Todestag von Johannes ist bis heute das Datum seines Gedenkfestes.

Nach seinem Tod setzte in Prag und weit darüber hinaus eine starke Verehrung des Märtyrers ein, um dessen Tod sich rasch die Legende bildete, die zu den bekanntesten zählt. Ihre erste schriftliche Erwähnung findet sich in dei »Kaiserchronik« von Thomas Ebendorfer (1449). Später wurde sie in Wenzel Hajeks »Böhmenchronik« (1541) stark popularisiert.

Danach war Johannes Nepomuk der Beichtvater von Wenzels Ehefrau, Königin Johanna. Dei König versuchte, so erzählt die Legende, wohl zur Rechtfertigung seiner eigenen ehelicher Verfehlungen, von Johannes Beichtgeständnisse seiner Frau zu erpressen, um so angeblichen Hochverratsplänen vorzubeugen. Der Priester berief sich jedoch mutig auf das Beichtgeheimnis und verweigerte jegliche Auskunft. Dies soll den König letztlich so erbost haben, dass er die Ermordung von Johannes Nepomuk beschloss.

In Blankenheim steht diese Skulptur des Brükkenheiligen

Nepomukfigur an der kleinen Brücke in Auel

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass König Wenzel den verhassten Generalvikar töten ließ, weil sich dieser gegen seine ständige Einmischung in kirchliche Rechte wehrte und sich politischen Entscheidungen widersetzte.

Als man im Jahre 1719 die Grabstätte Nepomuks öffnete, fand man die Zunge des Beigesetzten unverwest vor, für die Gläubigen ein weiterer Beweis für den Märtyrertod des »Bewahrers des Beichtgeheimnisses«.

1729 wurde Johannes Nepomuk heiliggesprochen. Vor allem die Jesuiten betrieben eine intensive Kultförderung, die in enger Beziehung zur Gegenreformation zu sehen ist. Ihnen war daran gelegen, das Gedächtnis des tschechischen Reformators Johann Hus durch diesen neuen Heiligen Böhmens zu verdrängen. Hus war 1415 als Irrlehrer verbrannt worden und seine Anhänger (Hussiten) hatten seitdem im Verfolgen kirchlicher und politischer Ziele hohe Bedeutung in Böhmen und Prag. Heute ruht der Leichnam des Heiligen in einem silbernen Reliquienschrein im Prager Veitsdom, dem Ziel vieler Gläubiger, besonders wieder in jüngster Zeit nach dem Erwachen größerer politischer, demokratischer und religiöser Freiheiten. An der Prager Karlsbrücke, die beeindruckend die beiden Stadtteile verbindet, zeigt eine Bronzeplatte bis zum heutigen Tage an, wo Johannes Nepomuk in die Moldau gestürzt wurde. Jahrelang war sein bekanntes Denkmal eingerüstet, um nun, von zerstörerischem Umweltschmutz gereinigt, in frischen Glanz von den Taten des »Brückenheiligen« zu künden.

Abgebildet wird der Schutzpatron der Beichtväter und Priester, der Flößer, Schiffer und Brükken, als Priester mit Chorrock, Stola und Birett. In den Händen hält er ein Kreuz und die Märtyrerpalme. Andere Abbildungen zeigen ihn, seine Zunge in der Hand haltend oder seine Finger an den Mund gelegt, um auf das gewahrte Beichtgeheimnis hinzuweisen. Häufig ist sein Kopf umgeben von einem Kranz von fünf Sternen, weil der Legende nach fünf Lichter die Stelle in der Moldau anzeigten, wo der Leichnam lag; Kirchenkundler deuten die fünf Sterne stellvertretend für die Buchstaben TACUI - ich habe geschwiegen.

Im 19. Jahrhundert dichtete der tschechische Publizist Karel Havlerek: »Heiliger Johann von Nepomuk/ Halt' deine Hand über uns / dass uns Gott gibt, was er dir gab / dass unsere Zunge nicht vermodert im Grab.« Besieht man sich die jüngste Geschichte des Landes, dann hat das der Fürsprecher des böhmischen Volkes ja wohl erreicht.

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